Vor etwas mehr als einem Jahr stand Hannelore Meyer vor einem riesengrossen Problem - Sie selbst und fast alle anderen in ihrem Team konnten sich 2011 nicht zur Wiederwahl in den neuen Vorstand aufstellen lassen. Die Gründe hierfür waren sehr unterschiedlich gelagert. einerseits spielte die gesundheit nicht mit, zum anderen haben sich die lebensumstände teilweise dahingehend geändert, dass für die Vorstandsarbeit nicht mehr genügend Zeit aufgebracht werden konnte.

Sicherlich ist jedem bekannt, der in der Vereinsarbeit tätig ist, dass man für die Führung ganz viel Kraft und Mut aufbringen muss, um die Probleme innerhalb des Vereins zu lösen. Auch hier wird der eine oder andere seine Grenzen erreicht haben. Hannelore hat fast jede, die aus ihrer Sicht in Frage kam, angesprochen. Immer wieder wurde bei den Einladungen erwähnt, dass händeringend Kandidaten für den Vorstand gesucht werden. '
Ein Rundschreiben im Herbst brachte keinen Erfolg. Selbst die Drohung, wenn sich niemand für die Vorstandsarbeit findet, muss der Verein nach mehr als 60 Jahren aufgelöst werden, verhallte ohne sichtbare Spuren. Trotzdem gab sie die Suche nicht auf. Ja, und was sagt ein altes Sprichwort? Wer sucht, der findet! Und Hannelore hat gesucht. Im Januar 2011 traf sich dann ein kleines Grüppchen, alle fest entschlossen, sich standhaft gegen die Fesseln des Ehrenamtes zu wehren. Billwerder-Boberg ist ein Verein, in dem es kaum noch "echte" Landfrauen gibt. Alle innerhalb dieses "Grüppchens" sind Vollzeit berufstätig und haben dazu noch die Familie, die gemanagt werden will. Da ist eigentlich kaum Zeit für was Anderes. Das Versprechen von Hannelore, die Vorstandsarbeit nimmt nicht so viel Zeit in Anspruch, hat keiner so wirklich geglaubt.
Was aber alle wollten - der Verein soll weiterleben. Und dann war der Druck da. Was ist, wenn wir alle ablehnen? Sind wir dann die Schuldigen, wenn der Verein sich auflöst? Oder können wir die sehr gute Arbeit unserer Vorgänger überhaupt bewältigen? Die Erfahrungen innerhalb des neu zu gründenden Teams in Bezug auf die Vereinsarbeit sind doch eher spärlich und die Fußstapfen, in welche man dann hineinschlüpft, viel zu groß. Elke Jessen und Ramona Röpke machten sich im Vorfeld bereits Gedanken, wie man den Verein führen könnte. Die Betonung lag auf könnte. Zu diesem Konzept gab es auch eine überarbeitete Satzung. Denn eines war sicher: Es wird sich in der heutigen Zeit niemand finden, der sich für vier Jahre in ein Ehrenamt einbinden lässt. In der neuen Satzung wurde die Amtszeit von vier auf zwei Jahre verkürzt und es wurde die Altersgrenze etwas aufgeweicht. Jetzt gibt es die Möglichkeit, dass ein Vorstandsmitglied, welches das 65. Lebensjahr erreicht, in Ausnahmefällen wiedergewählt werden kann. Und so wurde nun rein spekulativ darüber diskutiert: "Was wäre denn, wenn wir uns doch dazu entschließen würden?" Wohl jeder wird wissen, dass es heut zu Tage nicht mehr so einfach ist, neben der Vereinsführung die Frauen für Programme, Kuchen-Back-Aktion oder die Teilnahme bei Aktivitäten außerhalb des Vereins zu begeistern.
Gegen Ende dieses Abends war nun die Frage im Raum: "Was mächen wir nun? Nehmen wir allen Mut zusammen und sagen "JA" zur Vorstandsarbeit, oder lassen wir den Verein sich auflösen?" Ja, ihr wisst ja schon, was nun kommt. Alle haben sich gegenseitig begeistert,, nähmen den Mut zusam-imen und haben "JA" gesagt!

Weil die Satzung es so will, erklärte sich Elke Jessen bereit, für die Position der 1. Vorsitzenden und Ramona Röpke als 2. Vorsitzende zu kandidieren. Die Kassenwartin Christine Dienst, als einziges verbliebenes Mitglied aus dem alten Vorstand, war zu einer weiteren Amtszeit bereit. Mit Anke Eggers, als Schriftführerin, wurde das satzungsgemäß erforderliche Quartett des Vorstandes komplettiert. Die vier weiteren "Mädels", Shak-ti Wilhelm-Dierks, Monika Schütte, Anika Stock und Jutta Fliegner unterstützen tatkräftig unsere Arbeit als Beisitzerinnen.
Mit dieser Entscheidung griffen wir zum Telefonhörer und versüßten Hannelore ihren wohlverdienten Ski-Urlaub, indem wir ihr mitteilten, dass "ihr Verein" bestehen bleibt und sie ihren Resturlaub ohne Magenbeschwerden genießen soll. Sie war aufgeregt und erfreut zugleich. Mit einer beeindruckenden PowerPoint-Präsentation wurde auf der Jahreshauptversammlung den Anwesenden das neue Team und ihre Ideen von neuen Vereinsinhalten vorgestellt. Jeder von den anwesenden Mitgliedern sollte die Möglichkeit haben, "die Neuen" zu sichten und sich vor der Wahl entscheiden, ob sie die neuen Gedanken mittragen wollen. Die Mehrheit der anwesenden Mitglieder entschied sich für das Weitermachen und für den neuen Vorstand, samt Beisitzerinnen. Der Vorstand existiert jetzt seit dem 01.02.2011. Was wurde bis heute so alles bewegt? Neben der Planung von Veranstaltungen, haben wir uns darauf geeinigt, wesentliche Schritte für die Öffentlichkeitsarbeit auf den Weg zu bringen. Denn eines ist uns doch allen klar: Landfrauen leisten mehr als nur Kuchen backen und kochen. Dieses Klischee, welches fälschlicher-weise noch sehr weit in den Köpfen von vielen Unwissenden verbreitet ist, gilt es zu revidieren. Landfrauen haben viele Gesichter, aber qines sind sie bestimmt nicht - altmodisch und unflexibel. Deshalb haben wir uns entschlossen, auch nach außen modern aufzutreten.

Anke Eggers

schließen